Liebe Leserinnen und Leser,
 

 

die Abda startet mit einer neuen Spitze ins neue Jahr. Viel Eingewöhnungszeit bleibt der neuen Hauptgeschäftsführerin Franziska Erdle allerdings nicht. Denn nach dem Kabinettsbeschluss am 17. Dezember beginnt nun das parlamentarische Verfahren für die Apothekenreform. Und da ist die Standesvertretung natürlich gefragt. Es gilt, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Reformpläne der Bundesgesundheitsministerin noch im Sinne der Apothekerschaft zu beeinflussen. Zwar kennt Erdle aus ihrem vorherigen Job den Politikbetrieb in Berlin vermutlich bestens, das Gesundheitswesen ist aber neues Terrain für die Juristin. Oder, wenn man es positiv ausdrücken will: Die erste Chance, um zu beweisen, dass sie die Richtige für den Job ist, wird nicht lange auf sich warten lassen.
 
Herzliche Grüße,
Ihre Julia Borsch
DAZ-Chefredakteurin
 
In diesem DAZ-Update lesen Sie:
 
„Prostataprobleme lieber mit der KI besprechen als mit dem Apotheker“

Neues Jahr, neue Abda-Spitze

Breite Ablehnung von „Kontaktgebühr“

FDP-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg steht zur Homöopathie

Facharzttermin binnen vier Wochen – Philippi will Garantie

News-Ticker
 
 
 
 
„Prostataprobleme lieber mit der KI besprechen als mit dem Apotheker“
 

Von Kirsten Sucker-Sket

OTC-Versand, Augenscreening oder Blutanalysen – die Drogeriekette dm preschte im vergangenen Jahr mit mehreren neuen und digitalen Gesundheitsangeboten vor. Damit sorgt sie für Unruhe in der Apotheker- und Ärzteschaft. Vor-Ort-Apotheken kämpfen schließlich massiv mit dem wachsenden wirtschaftlichen Druck und warnen vor einem Versorgungs-Blackout.

Sebastian Vorberg, Fachanwalt für Medizinrecht aus Hamburg, sieht die Sache weniger dramatisch. Er wirft den Gesundheitsberufen in einem am 1. Januar 2026 auf Welt.de erschienenen Interview vielmehr eine fundamentale Verweigerungshaltung gegenüber Digitalisierung und den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz vor. Dabei spart er nicht an Polemik.

Die neuen digitalen Angebote wie Screenings und KI-gestützte Auskünfte sind aus Vorbergs Sicht eine Antwort auf Wartezeiten und Informationsbedürfnisse: „Man muss nur diejenigen betrachten, für die das Gesundheitssystem da ist: die Patienten. Die werden erstaunlicherweise nie gefragt, was sie eigentlich brauchen oder wollen.“ Der Anwalt, der unter anderem das Start-up vertritt, das bei dm Augenscreenings anbietet, sieht sich also als Unterstützer der Patient*innen. Für den Bestandsschutz der Ärzte und Apotheker gebe es nämlich „wirklich schon genügend“ Fürsprecher.

„In der Apotheke oft nur ein paar Sekunden Zeit“

Dass Patientinnen und Patienten statt KI-Medizin menschliche Nähe suchten, wie die Fragesteller im Interview einwerfen, ist für den Anwalt keinesfalls eine ausgemachte Sache. Die „Wahrheit“ sei, „dass Sie in einer Apotheke oft nur ein paar Sekunden Zeit haben, um mit Ihrem Apotheker zu sprechen, weil hinter Ihnen schon eine Schlange aus Leuten steht und wartet“. Er vermute daher, dass „die meisten lieber mit der KI in ihrem Wohnzimmer über Prostataprobleme sprechen, als in einer solchen Situation mit dem Apotheker“.

Angesichts der Kritik aus den Verbänden der Apotheker- und Ärzteschaft ist Vorberg überzeugt: „Ärzte und Apotheker fühlen sich durch Digitalisierung und KI in ihrem Bestand angegriffen und lehnen aus Reflex Innovation ab.“ Durch diese Haltung werde man aber die immer längeren Wartezeiten bei Ärzten und die Kostenexplosion im Gesundheitswesen nicht lösen können. Der Anwalt führt aus, dass KI mittlerweile ausgereift genug sei, um eine vollständige Anamnese durchzuführen und Diagnosen zu erstellen. Wer nun dagegenhalte, dass die KI auch halluziniere, dem sagt Vorberg: „Ärzte und Apotheker halluzinieren auch mitunter. Oder glauben Sie, dass jede Diagnose die richtige ist?“

Die Fragesteller erinnern an die schwindende Zahl von Apotheken vor Ort – und dass dies als Verlust wahrgenommen wird. Vorberg verweist hingegen auf die neu entstehenden Angebote. Apotheken sind aus seiner Sicht offensichtlich selbst schuld an der Misere. Sie verweigerten sich dem Wandel und der Transformation in ein digitales Zeitalter. „Mir erscheinen Apotheken wie Dinosaurier, auf die Digitalisierung und KI wie ein Komet zukommen. Der Schrei nach Bestandsschutz wird diesen Kometen allerdings nicht aufhalten.“

Keine Zukunft für die klassische Apotheke?

Gefragt nach einem Rat an die Apothekerschaft, erklärt Vorberg: „Ich fürchte, die Zukunft der Versorgung mit pharmazeutischen Mitteln wird nicht die klassische Apotheke sein.“ Stattdessen werde die KI viel von der Beratungsfunktion übernehmen – hinzutrete der Online-Versand. Der Anwalt empfiehlt Apothekern daher, „ihre Leistungen auch mal den Drogeriemärkten anzubieten oder sich in anderer Weise ins Online-Geschäft zu integrieren“. Das hätte auch Vorteile: „Viele könnten dann auch mal vom Ausland aus arbeiten und Beratung von Mallorca aus anbieten.“

 
 
 
Neues Jahr, neue Abda-Spitze
 

von Julia Borsch

Die Abda hat seit Jahresbeginn eine neue Hauptgeschäftsführung. Denn mit dem Jahr 2025 endete bei der apothekerlichen Standesvertretung auch eine Ära: Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz hat sich nach 35 Jahren in Diensten der Apothekerschaft in den Ruhestand verabschiedet. Das Amt an der Abda-Spitze bekleidete er seit 2011. Und es stehen weitere Umbrüche in der Führungsriege an: Mit Lutz Tisch (Bereich Recht) und Prof. Dr. Martin Schulz (Bereich Arzneimittel) erreichen zwei weitere Geschäftsführer im Laufe des Jahres 2026 das Rentenalter.  

Bei der Abda hat man die Gelegenheit genutzt, die Geschäftsführung nicht nur personell neu aufzustellen, sondern sie auch anders zu organisieren. So fällt die Ebene der Bereichsgeschäftsführer ganz weg – dies deutete sich bereits an, als der vakante Leitungsposten im Geschäftsbereich Pharmazie nach dem Abschied von Dr. Christiane Eckert-Lill nicht nachbesetzt wurde. Stattdessen ist künftig ein Duo für die Geschicke der gemeinsamen Geschäftsstelle von Abda, Deutschem Apothekerverband (DAV) und Bundesapothekerkammer (BAK) verantwortlich. Damit folgt die Standesvertretung der von den Beratern im Zuge der Strukturanalyse vorgeschlagenen Führungsorganisation. 

Weibliches Führungsduo

Mit Jahresbeginn ist nun Franziska Erdle (rechtes Bild) neue Hauptgeschäftsführerin. Bereits zum 1. Oktober 2025 hatte sie als Mitglied der Geschäftsführung ihre Arbeit bei der Abda aufgenommen. Erdle ist Juristin und bringt reichlich Erfahrung in der Verbandsarbeit mit. Zuletzt war sie nahezu ein Jahrzehnt Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Metalle. In dieser Funktion verantwortete sie die strategische und organisatorische Weiterentwicklung des Verbands und vertrat die Interessen der Branche auf Bundes- und EU-Ebene.  

Die zweite Hälfte des neuen Führungsduos ist eine alte Bekannte: Claudia Korf (linkes Bild), seit 2014 Geschäftsführerin Ökonomie von Abda, BAK und DAV, wird stellvertretende Hauptgeschäftsführerin. Diese Position gab es bislang nicht. Zuvor war sie für die „dunkle Seite der Macht“ tätig: Sie war für die Krankenkassen, unter anderem die Barmer GEK, tätig. Dort war sie Landesgeschäftsführerin für Berlin und Brandenburg sowie Beauftragte des Vorstands für sozial- und gesundheitspolitische Fragen.  

Letztere Personalie war dem Vernehmen nach umstritten innerhalb der Abda: Korf galt wohl als Wunschkandidatin für das Amt der Hauptgeschäftsführerin von Preis‘ Vorgängerin Gabriele von Elsenau Overwiening. In der aktuellen Gemengelage brachte das vermutlich keine Pluspunkte und auch darüber hinaus hat Korf innerhalb der Standesvertretung nicht nur Freunde. Bezüglich Erdle wird zumindest hinter vorgehaltener Hand geäußert, dass es jemand von außen in der Apothekerschaft eigentlich kaum schaffen kann. 

Ob die Skeptiker recht behalten, wird sich zeigen. Der erste Eindruck ist zumindest positiv: Erdle ist interessiert, sucht das Gespräch mit dem Ehrenamt, stellt viele Fragen und auch ihre Präsenz bei der Anhörung zur Apothekenreform hat ihr sicher keine Minuspunkte gebracht.  

Neue interne Struktur

Mit dem Amtsantritt von Erdle wird nicht nur die Spitze, sondern die gesamte interne Struktur der Geschäftsstelle der Abda neu organisiert. Künftig gibt es innerhalb der Abda-Geschäftsstelle insgesamt 14 Bereiche, anstelle der bisherigen Geschäftsbereiche mit Abteilungen und den Stabsstellen der Hauptgeschäftsführung. Erdle: „Durch die neue, flachere Struktur heben wir Synergien und werden noch schlagkräftiger als bisher.“ Zur Jahresmitte 2026 soll die Umstrukturierung der Abda-Geschäftsstelle abgeschlossen sein.

 
 
 
Breite Ablehnung von „Kontaktgebühr“
 

Von dpa/DAZ

Patientenvertreter und Krankenkassen weisen Vorschläge aus der Ärzteschaft zu neuen oder höheren Gebühren für Praxisbesuche und Klinikaufenthalte zurück. „Patienten und gesetzlich Krankenversicherte sind schon jetzt die Melkkühe der Nation“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, Anfang vergangener Woche der Deutschen Presse-Agentur. Zusatzbeiträge, Zuzahlungen, Eigenbeteiligungen und Selbstzahlerleistungen spülten jährlich mehrere zehn Milliarden Euro in die Kassen auch der ambulant-ärztlichen Versorgung.

„Die Kosten steigen, weil allein die Praxen in diesem Jahr ein Einnahmen-Plus von fast zehn Prozent zu verzeichnen haben“, sagte Brysch. Doch Qualität spiele dabei keine Rolle. „Weiterhin wird für gute oder schlechte Leistung das gleiche Geld bezahlt.“

„Unsolidarisch und ungerecht“

Der Sozialverband Deutschland nannte Forderungen nach einer „Kontaktgebühr“ für Arztbesuche unsolidarisch und sozial ungerecht. „Sie würde besonders chronisch kranke Menschen und Menschen mit geringem Einkommen treffen, die auf eine verlässliche medizinische Versorgung angewiesen sind“, sagte Vorstandschefin Michaela Engelmeier.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen kritisierte, der stete Ruf aus der Ärzteschaft nach einer Extra-Gebühr sei ein offenkundiges Ablenkungsmanöver. „Statt über Reformen zu sprechen, die dann auch die Ärzteschaft betreffen würden, wird auf die Patientinnen und Patienten verwiesen“, sagte Sprecher Florian Lanz. Das Gesundheitssystem gebe pro Tag mehr als eine Milliarde Euro aus. Da brauche es keine zusätzlichen Einnahmen, sondern Reformen, die den extremen Ausgabenanstieg sinnvoll bremsten.

Gassen: Drei oder vier Euro „Kontaktgebühr“

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hatte in der Bild eine „Kontaktgebühr“ bei jedem Arztbesuch gefordert. Sie könnte bei drei oder vier Euro liegen und von den Krankenkassen eingezogen werden. Der Vorstandschef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, hatte in dem Springer-Blatt unter anderem davon gesprochen, die Zuzahlung bei Krankenhausaufenthalten zu verdoppeln.

Abda lehnt höhere Zuzahlungen in Apotheken ab

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte im Zuge der Debatte über die Stabilisierung der GKV-Finanzen auch mit Blick auf die Apotheken höhere Zuzahlungen ins Spiel gebracht. „Ich halte einen solchen Schritt dennoch für nachvollziehbar, weil die Zuzahlung seit über 20 Jahren nicht angepasst wurde“, sagte sie dem Spiegel vor Weihnachten. Die Zuzahlung liegt derzeit bei mindestens fünf und höchstens zehn Euro.

Die Abda lehnt höhere Zuzahlungen ab. „Wir stehen fest an der Seite der Patientinnen und Patienten. Gesundheit darf keine Frage des Geldbeutels sein“, sagte Abda-Präsident Thomas Preis. Wenn höhere Zuzahlungen Menschen davon abhielten, notwendige Arzneimitteltherapien zu beginnen oder fortzusetzen, führe dies zu Verschleppungen von Erkrankungen und somit schlussendlich zu höheren Kosten für die Krankenkassen.

Es brauche nachhaltige und solidarische Lösungen. Apotheken und Patientinnen und Patienten dürften nicht weiter unter Druck gesetzt werden.

 

 
 
FDP-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg steht zur Homöopathie
 
Von Kirsten Sucker-Sket

Kürzlich hat die Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen eine Kehrtwende in Sachen Homöopathie vorgenommen: „Die Solidargemeinschaft soll nicht für Therapien aufkommen, deren Wirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus wissenschaftlich nicht belegt ist“, heißt es in einem Beschluss.

Ganz anders positioniert sich zu dem umstrittenen Thema die FDP in Baden-Württemberg – dem Land, in dem die Homöopathie ebenso wie die Anthroposophie auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Ihre Landtagsfraktion hat jetzt sogar ein dreiseitiges Positionspapier zur „Homöopathie und zur Rolle komplementärer Heilverfahren“ verfasst. Damit will sie sich auch bewusst vom Kurs der Grünen absetzen.

Ausdrücklich setzt sich die Fraktion der Liberalen für „Vielfalt und Selbstbestimmung im Gesundheitswesen“ ein. Das umfasst auch die Freiheit der Patientinnen und Patienten für bestimmte Therapieformen – inklusive alternativer und komplementärer Methoden.

Heilung ist mehr als messbare Laborwerte

In dem Papier heißt es: „Wir respektieren, dass Heilung mehr Dimensionen hat als messbare Laborwerte. Entscheidend ist das Empfinden und Erleben der Patientinnen und Patienten. Ein freiheitliches Gesundheitswesen schützt daher nicht nur Mehrheitsmeinungen, sondern auch Minderansätze, Erfahrungswissen und individuelle Therapieentscheidungen.“

Die Liberalen verweisen auf die lange Geschichte der alternativen Heilmethoden in Baden-Württemberg. Sie machen zudem keinen Hehl daraus, dass es auch ihr Anliegen ist, die in ihrem Bundesland ansässigen Hersteller der einschlägigen Produkte zu stärken – die Mittelständler sorgen schließlich für Wertschöpfung und Beschäftigung.

Gesetzliche Regelung gibt Spielraum für alle

An den bestehenden gesetzlichen Regelungen zur Homöopathie will die FDP-Landtagsfraktion vor diesem Hintergrund nicht rütteln. Für gesetzlich krankenversicherte Kinder bis zur Vollendung des 12. Lebensjahrs sind rezeptfreie Arzneimittel – also auch homöopathische – Kassenleistung. Darüber hinaus können Krankenkassen Homöopathika im Rahmen der Satzungsleistung erstatten. Damit hätten die Kassen Spielraum – dies sei „gelebte Selbstverwaltung und Ausdruck pluraler Versichertenvorlieben“. Wer hier mit einem generellen Erstattungsverbot ansetze, betreibe vor allem Symbolpolitik, statt sich ernsthaft mit den Herausforderungen des Gesundheitswesens zu beschäftigen, heißt es im Papier.

Fraktionssprecher Haußmann setzt auf Beratung in der Apotheke

Der gesundheitspolitische Sprecher und stellvertretende Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion Jochen Haußmann bekräftigt auf Nachfrage der DAZ, dass homöopathische Arzneimittel auch weiterhin nur in Apotheken abgegeben werden sollten. „Wir sehen die öffentlichen, inhabergeführten Apotheken als unverzichtbaren Bestandteil unserer Gesundheitsversorgung. Die kompetente Beratung vor Ort – von Angesicht zu Angesicht – kann Möglichkeiten und Grenzen homöopathischer Arzneimittel und Medikation aufzeigen. Hierzu gehört selbstverständlich auch, Notwendigkeiten der Medizin anzuerkennen und die fachgerechten Arzneimittel zu wählen.“
 
 
Facharzttermin binnen vier Wochen – Philippi will Garantie
 

Von dpa

Patienten sollen demnächst schneller einen Termin beim Facharzt bekommen, indem sie zuerst zum Hausarzt gehen – diesen Plan der Bundesregierung unterstützt Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi. „Das lange Warten auf einen Facharzttermin muss ein Ende haben“, sagte der SPD-Politiker, der dieses Jahr den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz innehat, der Deutschen Presse-Agentur.

„Unser Ziel ist es, dass Haus- und Kinderärzte Patientenströme besser steuern und an Fachärzte übermitteln – mit der Garantie, innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin zu bekommen“, erklärte der Minister. „Wenn dies länger als vier Wochen dauert, sollen die Patientinnen und Patienten einen Termin im Krankenhaus bekommen.“ Ausgenommen wären Gynäkologen und Augenärzte.

Der Koalitionsvertrag von Union und SPD im Bund, den Philippi mit ausgehandelt hat, spricht in dem Zusammenhang von einer Termingarantie.

Der Minister will außerdem die Arztkontakte von chronisch Kranken reduzieren, denen es ansonsten gut geht. „Wenn jemand zum Beispiel Bluthochdruck hat und regelmäßig Tabletten braucht, dann muss er bisher jedes Quartal zum Arzt. Das kostet Zeit. Hausärzte sollten die Tabletten künftig per Jahresverordnung verschreiben können“, sagte er.

Die Menschen in Deutschland gingen im Schnitt drei- bis viermal häufiger zum Arzt als in Schweden oder Dänemark. Das hänge mit der Steuerung der Patientinnen und Patienten zusammen. „Viele Krankheitsbilder, die auch digital per Telemedizin gelöst werden können, finden hier immer noch im persönlichen Kontakt statt“, sagte Philippi.

In Dänemark etwa komme es bei leichten bis mittleren Beschwerden erst zum persönlichen Austausch, wenn die Schmerzen länger anhielten oder die empfohlenen Medikamente nicht zu einer Besserung führten. „Das führt dazu, dass die Praxen und Notfallambulanzen dort nicht so voll sind wie bei uns.“

KI-Analyse von Beschwerden? „Das spart viel Zeit“

Philippi richtete auch einen Appell an die Ärzteverbände: Es wäre gut, wenn diese sich trauen würden, die Möglichkeiten der digitalen Anamnese stärker zu nutzen, sagte er. „Es gibt Algorithmen, mit denen Beschwerden angegeben und dann über KI-gesteuerte Anamnesebögen sehr genau herausgefiltert werden können.“ Das zeige, ob ein Besuch in einer Praxis wirklich erforderlich sei. „Das spart den Ärztinnen und Ärzten viel Zeit“, sagte Philippi

 
 
 
News-Ticker
 
Mehr Hausärzte in Schleswig-Holstein
 

Die Versorgung mit Hausärztinnen und -ärzten in Schleswig-Holstein hat sich verbessert. Das nördlichste Bundesland sei das Flächenland in Deutschland mit der geringsten Anzahl an freien Hausarztstellen, erklärt die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Aktuell gebe es 1947 Hausarztstellen in Schleswig-Holstein. 48,5 freie Stellen können derzeit nicht besetzt werden. Das seien deutlich weniger als noch vor zwei Jahren. Im Januar 2025 seien es noch 59,5 freie Hausarztstellen gewesen, im April 2024 waren es 68,5 und 2023 sogar 76,5. Zurückgeführt wird das unter anderem auf eine als hervorragend bewertete Weiterbildung der Allgemeinärzte und die zwei wichtigen Lehrstühle für Allgemeinmedizin in Lübeck und Kiel. dpa
 

Scanacs: Frank Baer übernimmt Vertrieb 

 
Die Elac-Kooperation und der Direktabrechner Scanacs pflegen eine enge Beziehung. Seit der Insolvenz von Scanacs hält Elac fast zwei Drittel des Stammkapitals des Dresdner Unternehmens. Elac-Apotheken können seit einiger Zeit kostenfrei über Scanacs abrechnen. Und der Elac-nahe Verband innovativer Apotheken (Via) ist branchenweit einer der größten Fürsprecher der Direktabrechnung. 
Nun gibt es auch noch personelle Überschneidungen: Frank Baer, Geschäftsführer der Elac, verantwortet ab 1. Januar als Geschäftsführer den Vertrieb bei Scanacs.
Baer verfüge über eine langjährige Erfahrung im Vertrieb, sowohl in der pharmazeutischen Industrie als auch im Dienstleistungssektor, schreibt Scanacs in einer Mitteilung. DAZ